Moderne – Symbolismus
Eine Kunst des Unsichtbaren
Eine kunsthistorische Zusammenfassung
Zwischen 1880 und 1910 entstand in Europa eine der faszinierendsten und rätselhaftesten Kunstbewegungen der Moderne: der Symbolismus. Diese Epoche der Symbolismus Malerei wandte sich entschieden gegen die bis dahin dominierenden Strömungen des Naturalismus, Realismus und Impressionismus. Statt die sichtbare Wirklichkeit abzubilden, richteten die Symbolisten den Blick nach innen – in die Welt der Träume, Mythen, Visionen und seelischen Abgründe.
Das theoretische Fundament legte der französische Dichter Jean Moréas im Jahr 1886 mit seinem Symbolistischen Manifest: Kunst solle eine Idee niemals direkt benennen, sondern sie durch Symbole und Andeutungen erfahrbar machen. Dieser Grundsatz wurde zur Leitlinie einer ganzen Malergeneration.
Merkmale und Bildsprache
Die Symbolismus Malerei ist kein einheitlicher Stil, sondern ein vielstimmiges Programm. Ihre Werke verbindet eine charakteristische Bildsprache:
- Statische, ikonenhafte Kompositionen – Figuren erscheinen losgelöst von Zeit und Raum
- Ornamentale Flächigkeit statt illusionistischer Raumtiefe
- Farbe und Licht als Träger von Stimmung und Emotion, nicht als Abbild der Natur
- Mythologische, religiöse und literarische Motive – von der Antike bis zur Bibel
- Traumlandschaften, Halluzinationen und Visionen als bevorzugte Bildräume
- Die Figur der femme fatale – die verführerische, bedrohliche Frau als zentrales Symbol für Eros, Sünde und Tod
- Allegorische Darstellungen von Krankheit, Vergänglichkeit, Leidenschaft und Erlösung
Die Symbolisten bedienten sich dabei einer breiten stilistischen Palette – von akademischem Realismus über den Jugendstil bis hin zu proto-expressionistischen Ausdrucksformen.
Historischer Kontext und Verbreitung
Der Symbolismus war eine Reaktion auf den Positivismus und die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. In einer Welt, die zunehmend von Wissenschaft und Technik geprägt wurde, suchten die Symbolisten nach dem Irrationalen, Spirituellen und Transzendenten. Die Weltausstellung in Paris 1889 machte die Bewegung einem breiten Publikum bekannt.
Neben Paris entwickelte sich Brüssel zu einem zweiten Zentrum: Die 1883 gegründete Gruppe Société des Vingt versammelte Künstler wie Fernand Khnopff und James Ensor. Im deutschsprachigen Raum prägten Arnold Böcklin und Max Klinger die Epoche, während in Wien die Wiener Secession um Gustav Klimt eine dekorativ-allegorische Bildwelt schuf. In Norwegen übersetzte Edvard Munch individuelle psychische Erfahrungen in universelle Metaphern – sein Schrei (1893) wurde zum Sinnbild einer ganzen Epoche.
Der Symbolismus gilt als entscheidendes Bindeglied zwischen dem Impressionismus und dem nachfolgenden Expressionismus sowie als direkter Vorläufer des Surrealismus.
Bedeutende Malerinnen des Symbolismus
| Künstlerin | Nationalität | Lebensdaten | Charakteristisches Werk |
| Hilma af Klint | Schwedisch | 1862–1944 | Die zehn Größten (1907) |
| Evelyn De Morgan | Britisch | 1855–1919 | Aurora Triumphans (1886) |
| Marianne Stokes | Österreichisch-Britisch | 1855–1927 | Maternité (1907) |
| Agnes Slott-Møller | Dänisch | 1862–1937 | Frühling (1894) |
| Clara Porges | Schweizer | 1879–1963 | Symbolistische Landschaften und Visionen |
| Cecilia Beaux | Amerikanisch | 1855–1942 | New England Woman (1895) |
Bedeutende Maler des Symbolismus
| Künstler | Nationalität | Lebensdaten | Charakteristisches Werk |
| Gustave Moreau | Französisch | 1826–1898 | Die Erscheinung (1876) |
| Arnold Böcklin | Schweizer | 1827–1901 | Die Toteninsel (1880) |
| Edvard Munch | Norwegisch | 1863–1944 | Der Schrei (1893) |
| Gustav Klimt | Österreichisch | 1862–1918 | Der Kuss (1907–08) |
| Fernand Khnopff | Belgisch | 1858–1921 | I Lock My Door Upon Myself (1891) |
| Odilon Redon | Französisch | 1840–1916 | Das Auge wie ein seltsamer Ballon (1882) |
| Franz von Stuck | Deutsch | 1863–1928 | Die Sünde (1893) |
Erbe und Nachwirkung
Mit dem Ersten Weltkrieg verlor der Symbolismus an Bedeutung – die Erschütterungen der Zeit verlangten nach anderen künstlerischen Antworten. Doch seine Fragestellungen wirkten weiter: Der Expressionismus übernahm die emotionale Intensität, der Surrealismus die Traumwelten und das Unbewusste. Der Symbolismus markiert eine entscheidende Schwelle in der Kunstgeschichte: Er gab die bloße Abbildungsfunktion der Malerei auf und ebnete den Weg für eine Kunst, in der Bedeutung nicht dargestellt, sondern erzeugt wird – eine Lektion, die die Moderne bis heute prägt.