Katharina Bamberg – Malerin des Lichts an der Ostsee
Katharina Bamberg – Eine Malerin des Lichts, die das Meer nie vergaß
Katharina Bamberg war eine deutsche Malerin der Moderne.
Stralsund, Ostsee, ein Leben in Farbe
Es gibt Malerinnen, deren Bilder so sehr nach Heimat riechen, dass man beim Betrachten fast das Salz der Ostsee auf den Lippen spürt. Katharina Bamberg ist eine von ihnen. Geboren am 18. April 1873 in Stralsund – so zumindest die verlässlichste Quellenlage –, gestorben am 6. Oktober 1966 ebendort, lebte sie ein langes, leidenschaftliches Künstlerinnenleben, das die Kunstgeschichte viel zu lange ignoriert hat.
Eine kurze Anmerkung zum Geburtsdatum: In der Literatur kursieren zwei Daten – der 18. April und der 18. November 1873. Das Malerlexikon der INSULA RUGIA e.V., das Greifswalder Stadtarchiv sowie die internationale Auktionsdatenbank veryimportantlot.com nennen übereinstimmend den 18. April als Geburtstag. Die Galerie „Der Panther“ und die walisischsprachige Wikipedia geben den 18. November an – vermutlich ein früher Übertragungsfehler, der sich in der digitalen Welt hartnäckig hält. Der April-Termin gilt als der besser belegte.
Tochter aus gutem Hause – und trotzdem Künstlerin
Katharina Bamberg entstammte einer begüterten, alteingesessenen Stralsunder Familie. Ihr Vater war Leiter des Städtischen Krankenhauses und Geheimer Sanitätsrat – ein Mann von Rang und Ansehen. Für seine Tochter war zunächst der übliche Weg vorgesehen: Höhere Töchterschule, Pensionat, Haushaltsschule im Harz. Doch Katharina wollte mehr. Sie wollte malen.
Wie so viele Frauen ihrer Generation musste sie ihre künstlerische Ausbildung auf eigene Initiative und auf eigene Kosten organisieren – die staatlichen Kunstakademien blieben Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verschlossen. In Berlin fand sie ihren Lehrer: Ludwig Dettmann (1865–1944), einer der ersten Vertreter realistischer Freilichtmalerei in Deutschland, Weggefährte von Max Liebermann. Von ihm übernahm Bamberg das Entscheidende: die realistische Hellmalerei – jene Technik, die das Licht nicht dramatisiert, sondern einfängt, wie es wirklich ist: flimmernd, weich, ehrlich.
Zusätzlich studierte sie in Dresden Porträt- und Aktmalerei sowie Tier- und Landschaftsmalerei. Eine umfassende, ernsthafte Ausbildung – keine Spielerei.
Auf Reisen, dann zurück ans Meer
Nach ihrer Berliner Ausbildungszeit unternahm Bamberg ausgedehnte Studienreisen: nach Oberbayern und Thüringen, in den Spreewald, nach Bornholm, an die Côte d’Azur, nach Italien und Frankreich. Überall sog sie Licht und Landschaft auf. Doch das Heimweh nach dem Meer war stärker als alle Fernweh-Romantik. 1906 kehrte sie nach Stralsund zurück – und blieb.
Von nun an wurden Stralsund, die Insel Rügen, die Halbinsel Wittow, der Vilm und vor allem Hiddensee ihre Motive. Hiddensee: das „söte Länneken“, das süße Ländchen, wie die Insulaner ihre Insel nennen. Bamberg malte die Steilküsten, die Dornbuschhügel, die alten Bauernkaten, die Fischer an den Netzen, die Schafställe, die Mühlen. Alles in jenem charakteristischen Licht, das über der Ostsee liegt wie ein Versprechen.
Im Stralsunder Kunstverein konnte sie ihre Arbeiten ausstellen – ein wichtiger Schritt in die Öffentlichkeit.
Die Malweiber von Hiddensee – Schwesternschaft im Atelier
1919 gründete die Malerin und Pädagogin Henni Lehmann auf Hiddensee den Hiddensoer Künstlerinnenbund – eine Vereinigung von Malerinnen, die sich der Insel und der Freilichtmalerei verschrieben hatten. (Manche Quellen nennen 1922 als Gründungsjahr; das Kunstmuseum Schwaan und die Wikipedia-Einträge zum Bund selbst datieren die Initiative auf 1919, wobei die formale Gründung in der Blauen Scheune in Vitte möglicherweise 1922 stattfand.) Katharina Bamberg trat dem Bund ab 1924 bei – so das Malerlexikon der INSULA RUGIA.
Zu den Mitgliedern zählten neben Bamberg Künstlerinnen wie Elisabeth Büchsel, Clara Arnheim, Elisabeth Andrae, Käthe Loewenthal und Julie Wolfthorn. Rund 15 bis 16 Frauen – die Quellen schwanken leicht – bildeten diesen außergewöhnlichen Kreis. Sie malten in der freien Natur, porträtierten die Inselbewohner, stellten gemeinsam aus. Ihr Ausstellungsort: die Blaue Scheune in Vitte, Henni Lehmanns Atelier, das sie kurzerhand leuchtend blau anstreichen ließ, damit es niemand übersah. Es steht noch heute.
Die Zeitgenossen nannten sie „Malweiber“ – ein Begriff, den die Frauen mit Stolz und Ironie zurückerobert haben. Denn was diese Malerinnen schufen, war alles andere als Zeitvertreib: Es war Kunst auf der Höhe ihrer Zeit, beeinflusst von Berliner und Pariser Moderne, geerdet in der norddeutschen Landschaft.
Krieg, Restaurierung, Beharrlichkeit
Der Erste Weltkrieg riss Bamberg aus ihrem Atelier. 1916 ließ sie sich freiwillig zur Krankenschwester ausbilden und arbeitete als Operationsschwester in Lazaretten – ein Zeugnis ihres Charakters: Pflichtgefühl und Mut, auch wenn es bedeutete, den Pinsel für Jahre beiseite zu legen. Im November 1918 kehrte sie nach Stralsund zurück und malte weiter.
1933 setzte die Machtübernahme der Nationalsozialisten dem Treiben der Malweiber ein jähes Ende. Der Hiddensoer Künstlerinnenbund wurde aufgelöst. Einige seiner Mitglieder – Lehmann, Arnheim, Loewenthal, Wolfthorn – wurden verfolgt, deportiert, ermordet. Bamberg überlebte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sie sich einer stillen, aber bedeutsamen Aufgabe: der Restaurierung kriegsbeschädigter Gemälde. Bis zu ihrem Tod im Alter von 92 Jahren blieb die Malerei ihre Leidenschaft. Stralsund ehrte sie posthum mit der Benennung einer Straße nach ihr: die Katharina-Bamberg-Straße.
Was ihre Bilder so besonders macht
Bambergs Malerei ist keine laute Kunst. Sie schreit nicht. Sie leuchtet. Die realistische Hellmalerei, die sie von Dettmann gelernt hatte, entfaltet in ihren Ostsee-Landschaften ihre ganze Kraft: Das Licht über den Dornbuschhügeln, das Schimmern des Wassers zwischen Rügen und Hiddensee, die stille Würde eines alten Schafstalls – all das hält sie fest, ohne zu idealisieren, ohne zu sentimentalisieren.
Ihre Werke befinden sich heute im Kulturhistorischen Museum Stralsund, im Museum der Stadt Greifswald und im Mönchguter Museum Göhren sowie in zahlreichen Privatsammlungen. Auf Auktionen erzielen ihre Gemälde – Öl auf Leinwand oder in Pastell, oft in Formaten um 50 × 70 cm – stetig wachsende Aufmerksamkeit.
| Werk | Technik | Maße | Standort |
| Schafstall auf Hiddensee | Öl/Leinwand | k. A. | Museum Stralsund |
| Fischer an den Netzen | Öl/Leinwand | k. A. | Museum Stralsund |
| Hiddenseer Stube, 1912 | Öl/Leinwand | k. A. | Museum Stralsund |
| Mühle von Emil Koos, 1930 | Öl/Leinwand | k. A. | Mönchguter Museum Göhren |
| Altenfähr auf Rügen, 1930 | Aquarell/Pastell | 26,5 × 40,5 cm | Museum Stadt Greifswald |
| Blick von Rügen nach Hiddensee, ca. 1920 | Öl/Leinwand | 24,8 × 36,8 cm | Privatbesitz / Auktion |
Jetzt sehen: Aktuelle Ausstellung
Wer Katharina Bambergs Werk im Original erleben möchte, hat derzeit eine seltene Gelegenheit: Das Kunstmuseum Schwaan zeigt noch bis zum 19. Juli 2026 die Ausstellung „Neues aus Hiddensee. Insel der Malerinnen“ – mit 65 Werken der Künstlerinnen des Hiddensoer Künstlerinnenbundes, darunter Bamberg, Büchsel, Loewenthal und Arnheim. Viele der gezeigten Gemälde waren noch nie öffentlich zu sehen. Die Museumsleiterin Annette Winter-Süß beschreibt sie als „Fenster, durch die man auf die Insel blicken kann.“ <Kunstmuseum Schwaan, Mühlenstraße 12, 18258 Schwaan, Di–So 11–17 Uhr (April–Oktober), Mo geschlossen>.
Quellen
- Wikipedia (deutsch): Katharina Bamberg
- Galerie Der Panther: galerie-der-panther.de/katharina-bamberg
- Malweiber-Blog (Pantherausstellung): pantherausstellung.wordpress.com
- INSULA RUGIA e.V. – Malerlexikon: insularugia.de
- Kunstmuseum Schwaan – Ausstellungsinfo: kunstmuseum-schwaan.de
- NDR Kultur: Die Malerinnen von Hiddensee
- Kulturkompass MV: Insel der Malerinnen
- veryimportantlot.com: Katharina Bamberg – Biografie
- Invaluable.com – Auktionspreise: invaluable.com
- Anke Manigold / Katja Behling: Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900. Insel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-35925-8
- Marion Magas: Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten. Eigenverlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-023779-9
- Ruth Negendanck: Hiddensee: die besondere Insel für Künstler. Edition Fischerhuder Kunstbuch, 2005, ISBN 978-3-88132-288-1
Dr. Peter Meides beschäftigt sich seit langem mit den „Malweibern“ und ist auf deren Wiederentdeckung spezialisiert. Dieser Blog informiert über seine Entdeckungen und gibt Hinweise auf aktuell sehenswerte Ausstellungen – wie die noch bis Juli 2026 laufende Schau im Kunstmuseum Schwaan, die Katharina Bamberg und ihren Künstlerinnenkreis endlich wieder ins Licht rückt, das ihnen schon immer gebührt hätte.
Das in diesem Beitrag verwendete Foto eines Pastellgemäldes von Katharina Bamberg ist eine selbst erstellte Aufnahme und stammt von ©pm26.